Sunflowers
Kleiner Augenblick

Morgens laufe ich prinzipiell immer früher los, als ich eigentlich müsste. Der Weg führt durch den wunderschönen Schlosspark. Zu erst laufe ich an einem Kindergarten vorbei. Es bereitet mir enorm Freude, Eltern zu beobachten, wie sie ihren Nachwuchs motivieren, früh doch ein wenig schneller zu laufen, damit sie ja pünktlich bei ihrer Arbeit erscheinen. Aber sie denken wenig darüber nach, das 1 Schritt eines Erwachsenen 2 bis 3 Schritte für ein Kind bedeutet und gerade Kinder beobachten ihre Umgebung noch mit viel Faszination. Sie entdecken immer wieder kleine Highlights. Zum Beispiel einen Regenwurm, der sich von einem Loch ins andere schlängelt, oder ein buntes Blatt, das gerade vom Baum herab tanzt, oder einen Regentropfen, der sich im Sonnenlicht spiegelt. Nein, wir Erwachsenen vergessen diese geballte Natur und ihre Schönheit. Wir denken nicht darüber nach, ob die Ameise unter unseren Füßen nicht vielleicht auch Angst verspüren könnte, oder ob die Schnecke es auch wirklich zur anderen Seite des Weges schafft. Nein, wir machen uns viel zu wenig Gedanken um unsere Mitbewohner. Wir Menschen sind Egoisten und denken, die Welt gehört uns allein. Aber das stimmt nicht. Lange vor uns waren andere Lebewesen da und sie haben uns im Nachhinein auch akzeptiert und den Planeten mit all seinen Herrlichkeiten geteilt. Genau deshalb liebe ich Kinderaugen. Sie sind unbeschwert und weltoffen. Diese funkelnden und ehrlichen Knöpfe können uns noch so einiges zeigen. Ein klein wenig mehr Kinderauge würde uns sehr gut tun. Was nützt mir am Morgen Hektik. Nein, ich öffne lieber meine Kinderaugen und schaue mir die Welt ganz genau an. Nach dem ich den Kindergarten hinter mir gelassen habe, stehe ich noch eine Weile im Park, lehne mich meist auf die steinige Brüstung und beobachte meine Stadt, wie sie langsam zum Leben erwacht. Dabei atme ich tief ein und lasse die Gerüche der Bäume, der Frühe und allem anderen auf mich wirken. Einfach annehmen. Mal nicht bewerten. Das tut sehr gut. Einfach mal den Tag atmen. Dabei gibt es auch kaum störende Gedanken. Nein, in dem Moment bin ich im Hier und Jetzt! Kurz vor der Arbeitsstelle angekommen drehe ich mich jeden Tag noch einmal um 90 Grad und beobachte das wunderbare Schloss. Nicht nur, weil es einen Teil der Stadtgeschichte trägt, sondern es trägt auch einen Teil meiner Geschichte. Einer wunderbaren Erinnerung an einen wunderbaren Moment. Mit diesem schönen Gefühl beginnt mein Arbeitstag...
9.10.14 21:29
 
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